Die Wallfahrt zum Heiligen Kreuz in

Wippenhausen

 

Entstehung der Wallfahrt

Im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts entstand in der Pfarrei Wippenhausen die Wallfahrt zum Heiligen Kreuz von Wippenhausen.

Der damalige Pfarrvikar P. Leonhard Haagn, der zur Zeit der Bekanntwerdung des Gnadenbildes selbst hier lebte, schrieb die Entstehungsgeschichte im Kreuzbuch von Wippenhausen auf. Dieses Kreuzbuch enthält die Entstehungsgeschichte der Wallfahrt und 246 Wunderberichte.

Das Heilige Kreuz bestand aus aus einem guten Spann langem flachen Kreuz aus Birnbaumholz, darauf war angeheftet das mit Farben entworfene Bildnis Christi samt der darunter stehenden schmerzhaften Mutter Maria. Das Bildnis ist um das Jahr 1674 von zwei hochfürstlich Freisingischen Jägern Martin Reiser und Wenzeslav Humel in der Gegend um Pettenbrunn und Wippenhausen gefunden worden. Es war zerbrochen, da man mit Schlitten und Wagen darübergefahren. Die beiden Jäger hoben es auf, leimten es mit Pech zusammen und hefteten es mit Draht zusammen und machten es im Freisingischen Forst in einen Fichtenbaum in der Nähe der schönen Linden neben der Hirschsulz ein, so sie mit einem Stemmeisen den Fichtenbaum etwas ausgehölt hatten. Das machten sie, damit, wenn einer den anderen nach durchstreiften Forst erwarten wollte, er inzwischen Gelegenheit hatte sich bei diesem Bildnis heilsame Gedanken zu machen. Bei unserem Herren sollst du mich finden oder erwarten.

Anfangs blieb das Bild unbeachtet, "weillen es zimlich abwögs" war. 1693 geschah dann das erste Wunder.

"Endlichen aber um das jahr 1693, als des Holzknechts Christophori Stöckhl von wippenhausen sein Söhnlein Joannes mit namen etwas 7 Jahr alt eine fractur oder leibschaden bekhomen und Er gesinet war, selbes einem arzten, so zu Freysing in der Duldt war, in die cura zu ybergeben, hat dessen Eheweib Catharina aus müetterlicher Zueneigung besorget, es möchte gesagtes ihr Söhnlein von solcher Chur das leben einbuessen, zuvor die allmechtig hilff Gottes wollen ersuechen. Weillen sie dann ohne dieß in indema fil in solchen gedankhen begriffen war, umb die gegend dieses offt gemeldetden Crucifixbildes sich befunden, hat sie glaichsam durch innerlichen antrieb aufgemuntert ihr khräfftiges vertrauen auf den gecreuzigten Christum und seine schmerzhaffte muetter, welche sie in diser bildnis anmuethig betrachtet, gesetzt, ist vor solcher auf ihre khnie nidergefallen, und hat also mit möglichster andacht Solchen benantes Ir Söhnlein anbefohlen, mit gethanen gelübd, Sie wolle Solches selbsten allda herfiehrn und ein gemahlte Täffelein opffern. Auf welches gelübd dan alsobald die ruptur diss khnäbleins sich widerumb verzogen und biß anhero nichts mehr davon vermerkht worden. Auch bekhent eben obbenandte Catharina Stöckhlin, Sie habe auch zum andermahl für eines ihres töchterleins in gewisen Zuestand aldorthen hilff erfahren. NB: kurz zuvor ist schon ein stockhblinder khnab sehent geworden von markhtbach bey hag, als seine Muetter wie im schlaff gemandt worden, ihn anher zu führen."

Die Frau des Holzknechts behielt dies für sich und erzählte es nicht weiter. Doch um das Jahr 1695 verbreitete sich die Kunde von der Wundertätigkeit des Bildes. Es mehrten sich von da an dort die Heilungen, Erhörungen und Gnadenerweise der verschiedensten Art. Aber durch Zusammenwachsen des Baumes wurde das Kreuz in vier Teile zerdrückt und mit herabfließenden Pech überronnen, sodaß man das Bildnis nicht mehr erkennen konnte.

Da brachte es es jene Catharina Stöckl dem Vikar Haagn. Der säuberte es, reparierte es. Frau Stöckl ließ einen kleinen Altar machen mit vorgezogener Glasscheibe und brachte es mit der auf Kupfer gemalten Gelübdstafel an die alte Stelle.

 

 

 

 

Die Wallfahrt zum Heiligen Kreuz in Wippenhausen

Von nun an begann zu dem Bilde ein stets wachsender Zulauf von Hilfesuchenden aus Wippenhausen, Ampertshausen und in der Fol- ge auch aus ferneren Orten stark zugenommen. Zu manchen Zeiten konnten dort dreißig bis 40 Personen gezählt werden, welche auch dort ihre Opfer niederlegten. Und dort blieben sie liegen. Heilungen gab es bei verschiedenen Fiebern, vergifteten Geschwulsten, von anderen Leibbeschwerden, auch von Gemütskrankheiten. So bekennt eine Cäcilia Kraus von wippenhausen, daß sie bei der Entbindung ihres Kindes in Lebensgefahr geriet. Als sie sich aber zum Bild des Hl. Kreuzes verlobte mit gewisser Andacht und Opfer, ist sie alsbald entbunden worden.

Die Wallfahrt nahm immer mehr zu. Niemand aber wollte die Opfergaben in Verwahrung nehmen. Doch ließ dann endlich der damalige Forstmeister und Kapitelherr des Hochstiftes Freising Graf Johann Heinrich Franziskus Dominikus von Hohenwaldegg auf Maxlrain ein "gotts beraithstöckhl" verfertigen, und den Inhalt nahm er in Verwahrung.

Alsbald verlangte aber nun der"Churbayerl: Pfleger Landgerichts und Castenamptsverwalter" zu Crandtsperg, Herrn Franz Joseph Moser," die Schlüssel zu diesem Opferstock, weil der gemeldete Fichtenbaum in dessen Gerichtsjurisdiktionsbereich soll gestanden sein.

Der Forstmeister machte daraufhin Meldung an den Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher. Der Fürstbischof verlangte von den damaligen Pfarrvikar Pater Leonhard Haagn einen ausführlichen Bericht über die neu entstandene Wallfahrtsstätte, beseitigte alle Unklarheiten und ließ das Gnadenbild in die Nikolauskirche in Wippenhausen überführen.

Zuerst wurde es samt Opfergaben und Zubehör nach Freising in die bischöfliche Residenz gebracht und dem Bischof übergeben.

Am Abend des Samstags, es war der 12. Juli 1698 wurde das Gnadenbild durch den bischöflichen Kommissär, Ferdinand Zeller, Kanonikus bei St. Andrä in einer Kutsche in die Kirche nach Wippenhausen gebracht und "eingesezt worden auß dem altar gegen der Sacristey, nachhero aber ist in den andern Altar, wo es iezo verwart wird, transferirt worden"

Von da an nahm die Verehrung des Bildnisses bei der Bevölkerung einen großen Aufschwung. Unter den großen Förderern und Wohltätern wird Benedikt Widmann oder Lorenz aus Wippenhausen genannt. Die Wallfahrt förderte auch Fürstbischof Johann Franz Eckher.

Um das Jahr 1772 wurde das Hl. Kreuz von unbekannten Dieben gestohlen. Das Gnadenbild blieb verschwunden und so wurde der Wallfahrt ein jähes Ende gesetzt.

Daß das Kreuz aus der Wippenhauser Kirche gestohlen wurde, darf nicht überraschen. Die Jahre 1771 und 1772 waren für Bayern die unglücklichsten Jahre seit den bayerisch- österreichischen Kriegen. Not und Mißernten zeichneten diese beiden Jahre aus, so daß die armen Leute zu allen Mitteln griffen, um ihren Hunger zu stillen. Überall, und auch in den Gerichten Kranzberg und Freising bildeten sich Räuberbanden, vor denen kein Bauernhaus und keine Kirche sicher war. Auch um Freising trieben zwei Diebesbanden ihr Unwesen, an deren Spitze der Paradieswirt Mathias Hierander, an der andern aber Michael Hieringer stand. Hieringer wurde 1779 als Räuber zum Tode verurteilt und am Galgen in Kranzberg gehenkt.