Filialkirche St. Peter und Paul in Tünzhausen

Am rechten Hang des Ampertales steht hoch über dem Ampertal die Filialkirche St. Peter und Paul in Tünzhausen. Bestimmt wird die Außenansicht der Kirche durch den massiven Turm. Ursprünglich war dieser Turm ein Wehrturm hoch über dem Ampertal, so wie der Turm der Pfarrkirche St. Margareta in Hohenbercha und der Kirchturm der Kirche in Johanneck auf der gegenüberliegenden Seite des Ampertales. Er dürfte aus roma-nischer Zeit stammen. Im Turm hängen 5 Glocken. 4 stammen aus dem Jahre 1948, eine aus dem Jahre 1922.

Als im Lauf der Geschichte der Wehrturm seine Bedeutung verlor, baute man in den Turm eine Kapelle, aus der durch Erweiterungen die Kirche in heutiger Form entstanden ist. Der letzte Anbau stammt aus der Barockzeit.

In der Barockzeit war Tünzhausen eine Wallfahrtskirche, in der der hl. Leonhard besonders verehrt wurde.

Tünzhausen war inkorporierte Pfarrei des Benediktinerklosters Weihenstephan. Nach Auflösung des Klosters während der Säkularisation (1803) kam Tünzhausen zur Pfarrei Allershausen.

Seit 1815 ist Tünzhausen infolge der Neuordnung der Pfarreien nach der Säkularisation Filialgemeinde der Pfarrei Kranzberg St. Quirin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Innere der Kirche wird geprägt von der barocken Ausstattung. Der Stuck stammt vom Thalhausener Stuckateur und Maurermeister Tho-mas Gläsl. Gegenüber seinen Arbeiten in den Pfarrkirchen Flintsbach am Inn und Bayrischzell wirkt der Stuck etwas fortschrittlicher. Der barocke Hochaltar wurde 1664 errichtet. Im Mittelpunkt des Altares die Figur der Mutter Gottes als Königin, links und rechts die beiden Kirchenpatrone Petrus (mit dem Schlüssel) und Paulus (mit dem Schwert). Über der Muttergottes der hl. Leonhard. Ursprünglich dürfte hier die Figur von Gott-Vater gewesen sein, die heute an der nördlichen Seitenwand der Kirche angebracht ist.

Der echte Seitenaltar ist dem hl. Sebastian geweiht, im Auszug darüber der heilige Jakobus.

Der linke Seitenaltar hat als Patron den hl. Isidor im Auszug darüber die hl. Helena.

Im Chorbogen thront ein Heiliger, der als Benediktiner dargestellt ist, aber den hl. Paulus, den Wüstenheiligen darstellt. Der Legende nach soll er nur von dem gelebt haben, was ihm die Raben zu Essen gebracht haben. Deshalb wir der mit einem Raben dargestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Kirchenraum wird dominiert von einem großen Deckengemälde, das von dem bedeutenden Münchner Maler Nikolaus Gottfried Stuber geschaffen wurde. Abt Ildefons Hueber (1705-1749) vom Kloster Weihenstephan beauftragte im Jahre 1745 diesen Nikolaus Gottfried Stuber, die damals weit bekannte Wallfahrtskirche „Zum hl. Leonhard" in Tünzhausen (deren Kirchenpatrone Petrus und Paulus sind – und nicht der hl. Leonhard), mit einem Deckengemälde, das die Wallfahrt darstellt, auszuschmücken. Das große Deckenfresko in Tünzhausen ist das letzte Werk von Nikolaus Gottfried Stuber, der 1712/1713 zusammen mit Cosmas Damian Asam in Rom gewesen war, seit 1738 als kurfürstlicher Hoftheatermaler und Schöpfer zahlreicher Festdekorationen wirkte und 1749 gestorben ist. Außer dem Tünzhauser Deckenfresko gibt es kein weiteres Spätwerk Stubers.

 

Das Deckenfresko zeigt die Verehrung des hl. Leonhard. Oben der hl. Einsiedler Leonhard mit Engel auf Wolken, darunter ein Pater der Weihenstephaner Benediktiner vor dem Altar. Bei dem Pater dürfte es sich um den damaligen Pfarrvikar, dem Weihenstephaner Bene-diktiner P. Bernhard Reitter handeln. Die beiden Bittflehenden dürf-ten Tünzhauser Bürger sein, die als Wohltäter zur Finanzierung des Deckenfreskos beigetragen haben. Die brennenden Herzen sollen die starke Verehrung des hl: Leonhard darstellen. Weiter sind verschiedene Haustiere dargestellt, deren Schutzpatron der Viehpatron Leonhard ist.

 

In den vier Ecken der Decke sind in vier Stuckkartuschen vier Kirchenlehrer dargestellt.

Die Auswahl der Kirchenlehrer ist sehr ungewöhnlich.

Gregor der Große ( Nordosten) im päpstlichen Ornat, mit Tiara und Stab, ans einem Ohr die Taube.

Ildefons von Toledo (Südosten) in Bischofstracht, mit Stab, Mitra und erzbischöflichen Pallium, in der Hand ein Buch. – Ildefons wird immer als Erzbischof dargestellt, meist mit Buch, gelegentlich darin lesend.

Bernhard von Clairvaux (Südwesten) mit den Leidenswerkzeugen.

Anselm von Canterbury (Nordwesten) als Bischof mit einer Rose dargestellt und der Inschrift: SINE SPINA (Rose ohne Dornen), die sich auf die Verehrung der Unbeflecktheit der Gottesmutter bezieht

 

Wahrscheinlich ging man bei der Auswahl der Heiligen von der Darstellung des hl Bernhard (+1153) als Patron des Pfarrvikars P. Bernhard Reitter und des hl Ildefons von Toldeo (+667) als Patron des Weihenstephaner Abtes Ildefons Hueber aus. Ihnen wurden Gregor der Große (+604) und Anselm von Canterbury(+1109) zugesellt. Beide gehörten dem Benediktinerorden an. Da Ildefons ebenfalls als Bene-diktiner galt und Bernhard von Clairvaux als Zisterzienser auch zur Or-densfamilie der Benediktiner gehörte, ist damit eine erste Gemeinsam-keit der vier dargestellten Heiligen gegeben. Gemeinsam ist ihnen weiterhin, dass sie alle den Ehrentitel Kirchenlehrer tragen (Ildefons von Toledo allerdings nicht offiziell, sondern nur in Spanien und vielfach innerhalb des Benediktinerordens).

Auf der Kartusche des Rahmens gegen den Chor sind drei Kreuz-nägel und drei rote Benediktuskreuze auf blauem Grund gemalt. Sie sind Hinweis auf die in der Kirche aufbewahrte Kreuzreliquie.